R:Ausflug – Redebeitrag des Umsonstladens

Am vergangenen Samstag machte die Fahrradtour der Interessengemeinschaft Freiräume auch vor dem Umsonstladen Halt. Im Folgenden dokumentieren wir den Redebeitrag der Umsonstladengruppe.

Liebe Leute!

Wir stehen hier vor dem Umsonstladen. Unter dem Slogan „Alte Sachen sind kein Müll!“ können hier gebrauchte und nicht mehr benötigte Dinge abgegeben oder abgeholt werden, wenn sie gut erhalten sind und funktionieren. Ganz wichtig hierbei ist uns, dass Geben und Nehmen voneinander unabhängig sind und dass die Spenden der NutzerInnen ausschließlich dazu dienen, den Laden zu erhalten.

Die Menschen in der Umsonstladengruppe halten in ihrer Freizeit den Laden montags bis freitags zwischen 16:00 und 19:00 Uhr offen. Die NutzerInnen sind immer eingeladen, den Laden aktiv mitzugestalten. Bisher waren wir unabhängig von der propagierten Ehrenamtsförderung und anderen städtischen Fördertöpfen und das wollen wir auch bleiben!

Der Umsonstladen existiert seit zehn Jahren an wechselnden Orten in der Neustadt und unter zum Teil prekären Bedingungen. Nachdem die Miete am ersten Standort auf der Priessnitzstraße unbezahlbar wurde, zog der Laden in ein besetztes Haus am Lutherplatz. Die Räumung des Hauses bedeutete nicht nur das kurzfristige Aus für den Umsonstladen, sondern auch das Zusammengehen mit der „Initiative für ein soziales Zentrum Dresden“. Gemeinsam haben wir den Laden auf der Kamenzer Straße neu eröffnet – mit einer befristeten Finanzierung der Ladenmiete durch eine EU-Förderung. Der Laden auf der Kamenzer Straße grenzte unmittelbar an die Brache an, auf der heute der Netto-Markt mit integriertem städtischen Kita-Betrieb steht, und auf der wir uns mit unserem Umsonstkino unterm Sommernachtshimmel und anderen Aktionen in die Pläne zur Bebauung eingemischt haben. Seit Dezember 2006 ist der Umsonstladen hier im Sonnenhof auf der Alaunstraße in einem insolvenzverwalteten Haus zu finden. Erst gestern haben wir erfahren, dass der Laden und mit ihm zahlreiche andere Läden hier im Hof an eine Immobilienfirma verkauft worden ist – mit diesem Verkauf steht die Existenz des Umsonstladens akut und erneut auf dem Spiel.

Wir sind keine Kleiderkammer und kein barmherziges karitatives Projekt. Wir wollen auch mehr sein als ein Laden zur Verteilung von Wohlstandsmüll. Wir sehen uns auch als ein politisches Projekt – über die Ladenöffnung hinaus organisieren wir Veranstaltungen um Themen wie Demonetarisierung, Gemeingüter, Selbstorganisation und solidarische Ökonomie. Für den kommenden Oktober bereiten wir ein Treffen der bundesweiten Umsonstläden und Projekte im solidarischen Ökonomienetzwerk hier in Dresden vor.

Der Laden ist jetzt erst einmal verkauft. Aber wir wollen uns nicht mit einer Kritik von einzelnen Immobilienfirmen oder der städtischen Politik aufhalten, sondern uns stören die gesellschaftlichen Verhältnisse hier und anderswo, in denen es für ein non-profit-Projekt wie unseres keinen Ort zu geben scheint. Gegen Verwertungslogik, gegen Sachzwänge und Standortpolitiken! Für Freiräume, für mehr Umsonstläden hier und überall, weil wir frei und selbstbestimmt leben wollen!

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